Hintergrund

Wasserstofftraum zerplatzt: Warum das Wasserstoffauto gescheitert ist

August 25, 2025

Dies ist nicht der Grund

Wir lesen es oft: Wasserstoffautos sind nicht beliebt, weil es kaum Tankstellen gibt. Aber dann stellt sich die Frage: Warum gibt es so wenige? Als die ersten batterieelektrischen Autos aufkamen, war auch das Aufladen fast unmöglich. Dank milliardenschwerer Investitionen wuchs die Zahl der Ladestationen schnell, von der Straßensäule bis zum Schnellladegerät. Warum blieb die gleiche Begeisterung für Wasserstofftankstellen und Wasserstoffautos aus?

Effizienz

Der größte Engpass ist einfach: die Effizienz. Ein batterieelektrisches Auto wandelt Energie fast direkt in Bewegung um. Sie laden es zu Hause oder an einer Ladestation auf und 80 bis 95 Prozent dieser Energie landet schließlich in den Rädern. Bei Wasserstoff ist das ganz anders.

Zunächst müssen Sie Wasserstoff herstellen, in der Regel durch Elektrolyse: Strom wird verwendet, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Bei diesem Prozess geht bereits eine Menge Energie verloren. Als nächstes muss der Wasserstoff unter hohem Druck komprimiert, gespeichert, transportiert und zurück ins Auto gepumpt werden. Dort wandelt eine Brennstoffzelle den Wasserstoff wieder in Strom für den Elektromotor um. Jeder Schritt kostet Energie. Am Ende bleiben oft nur 25 bis 30 Prozent der ursprünglichen Leistung übrig. Mit anderen Worten: Sie brauchen etwa dreimal so viel Strom, um mit einem Wasserstoffauto die gleiche Strecke zu fahren wie mit einem Batterieauto.

Hoher Druck, hohe Kosten

Wasserstoff ist das leichteste Element, das wir kennen. Es klingt harmlos, aber genau deshalb ist es schwierig zu lagern. Er entweicht leicht, kriecht durch die kleinsten Ritzen und muss daher unter extremem Druck gelagert werden: oft bis zu 700 bar. Das bedeutet teure Tanks im Auto und ein kompliziertes Netz von Leitungen und Kompressoren an der Tankstelle.

Batterien gewinnen an allen Fronten

Der größte Engpass eines batterieelektrischen Autos ist seine Batterie. Doch während die Entwicklung von Wasserstoffautos in den letzten 20 Jahren praktisch stagnierte, machten die Batterien sprunghafte Fortschritte. In den letzten zehn Jahren sind die Batterien deutlich leichter, billiger und effizienter geworden. Auch das Aufladen wird immer schneller: Einige Elektroautos erreichen heute eine 80-prozentige Batterieladung in nur 13 Minuten. Und wo es früher Zweifel an der Lebensdauer gab, beweisen moderne Batterien, dass sie problemlos 300.000 Kilometer durchhalten können.

Darüber hinaus entwickelt sich die Ladeinfrastruktur schneller als je zuvor. Jede neue Wohnsiedlung erhält Ladestationen, Parkplätze an Supermärkten und Restaurants verfügen über Ladepunkte, und entlang der Autobahnen finden Sie Netzwerke wie Fastned, Ionity, Tesla Superchargers und Shell Recharge.

Wasserstoff: vielleicht für Lastwagen und die Industrie

Bedeutet dies, dass Wasserstoff völlig hoffnungslos ist? Nicht unbedingt. Für den Schwerlastverkehr, wie z.B. LKWs, Züge auf nicht elektrifizierten Strecken oder die Schifffahrt, können Wasserstoff oder Derivate wie Ammoniak sicherlich nützlich sein. Dort kommen die Nachteile von Batteriegewicht und Ladezeit viel stärker zum Tragen, so dass Wasserstoff tatsächlich eine praktische Lösung bieten kann. Auch in der Industrie ist Wasserstoff interessant, zum Beispiel in der Stahlproduktion oder als Speicher für grünen Strom. Aber für den normalen Autofahrer ist die Geschichte im Grunde schon erzählt: Das Batterieauto hat gewonnen.

Warum die Leute trotzdem begeistert waren

Es ist leicht, im Nachhinein zu urteilen, aber der Hype um Wasserstoff hatte eine logische Grundlage. Das Versprechen einer schnellen Betankung ohne lange Ladezeiten gefiel vielen Menschen. Außerdem ähnelte es sehr der gewohnten Routine eines Benzin- oder Dieselautos: Sie fahren zu einer Tankstelle, tanken in fünf Minuten und fahren weiter.

Darüber hinaus gab es geopolitische Interessen. Einige Länder oder Regionen – wie Groningen – sahen in Wasserstoff eine Möglichkeit zur Wiederbelebung ihres Energiesektors oder als Exportprodukt. Große Ölkonzerne investierten in das Projekt, weil es ihnen die Möglichkeit bot, vorhandene Infrastruktur und Fachwissen zu nutzen.

Aber während sich das Batterieauto blitzschnell entwickelte und Größenvorteile erzielte, blieb der Wasserstoff in einem experimentellen Stadium stecken. Das Wasserstoffauto von heute ist technisch nicht viel weiter als das der 1980er Jahre. Der Abstand zu batteriebetriebenen Elektroautos wurde jedes Jahr größer.

Durchschlagende Wirkung

Wasserstoff bleibt eine faszinierende Technologie. Sie ist sauber, vielseitig und hat definitiv Potenzial in Bereichen, in denen Batterien nicht ausreichen. Aber wenn es um Personenkraftwagen geht, ist die Schlacht entschieden. Vielleicht werden wir in 10 oder 20 Jahren neue Durchbrüche erleben, die Wasserstoffautos wieder interessant machen. Aber für den Moment gilt: der Stecker gewinnt.

Siehe auch: WATERSTOFMOTOR ist fast fertig! – Jede Menge Entwicklungen in Le Mans 2025