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Was!? Kann man Autoreifen mit Frittierfett umweltfreundlicher machen?

Mai 4, 2026

Von der Bratpfanne zum Autoreifen

Die Reifenindustrie ist einer der weltweit größten Verbraucher von Erdölprodukten. Ein durchschnittlicher Autoreifen besteht zu etwa 25 bis 30 Prozent aus Materialien, die direkt aus Erdöl gewonnen werden. Continental hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Prozentsatz deutlich zu reduzieren, indem fossiles Öl durch erneuerbare Rohstoffe, einschließlich gebrauchtem Frittierfett, ersetzt wird.

Die Idee ist einfacher als Sie denken. Gebrauchtes Speiseöl, das ansonsten als Abfall behandelt oder auf weniger nützliche Weise wiederverwendet werden würde, wird zu so genannten biobasierten Ölen raffiniert. Diese Öle dienen dann als Ersatz für erdölbasierte Weichmacher und Füllstoffe in der Gummimischung des Reifens.

Wie genau funktioniert das?

Continental wendet ein sogenanntes Massenbilanzprinzip an. Das bedeutet, dass recyceltes Speiseöl zusammen mit anderen Rohstoffen in den Produktionsprozess eingespeist wird. Ein Zertifizierungssystem hält fest, wie viel Prozent des fertigen Reifens aus erneuerbaren Ressourcen bestehen.

Das Tolle daran ist, dass die Leistung der Reifen nicht leidet. Continental behauptet, dass Reifen mit biobasierten Ölen denselben Grip, dieselbe Verschleißfestigkeit und denselben Rollwiderstand aufweisen wie ihre rein fossilen Gegenstücke. Als Autofahrer werden Sie also buchstäblich nichts von dem Wechsel bemerken, außer dass Sie mit einem etwas entspannteren Gewissen fahren werden.

Teil eines größeren Plans

Die Verwendung von Frittierfett ist kein einmaliger Trick. Continental hat sich das Ziel gesetzt, bis spätestens 2050 alle Reifen mit vollständig nachhaltigen Materialien auszustatten. Derzeit liegt der Anteil nachhaltiger Materialien pro Reifen bei etwa 15 bis 20 Prozent, je nach Modell. Neben recyceltem Speiseöl experimentiert Continental auch mit Löwenzahngummi (aus russischem Löwenzahn, kein Witz), recyceltem PET aus Plastikflaschen und Reiskaffee als Alternative zu Silica. Alle diese Innovationen zusammen sollen den Anteil an erneuerbaren und recycelten Materialien Schritt für Schritt erhöhen.

Reifenindustrie unter Druck

Übrigens ist Continental nicht der einzige, der daran arbeitet. Konkurrenten wie Michelin, Goodyear und Bridgestone arbeiten an ähnlichen Initiativen. Michelin strebt sogar an, bis 2050 zu 100 Prozent aus nachhaltigen Materialien zu bestehen, ebenso wie Continental. Die Reifenindustrie als Ganzes steht unter dem zunehmenden Druck der EU, ihren CO2-Fußabdruck zu verringern. Die Europäische Kommission arbeitet an strengeren Vorschriften für die Kreislauffähigkeit von Reifen, einschließlich Anforderungen für die Verwendung von recycelten und erneuerbaren Materialien. Diese Gesetzgebung könnte bereits um das Jahr 2028 in Kraft treten und wird das Spielfeld erheblich verändern.