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Gesichtet: ein Mercedes-Benz 600 Pullman

August 1, 2025

Die Mercedes-Benz S-Klasse ist seit Jahrzehnten das Flaggschiff von Das Haus. Heutzutage wird sie von der Mercedes-Maybach S-Klasse übertroffen. Aber wussten Sie, dass Mercedes-Benz in den 1960er und 1970er Jahren ein anderes Modell über der S-Klasse hatte? Das war der Mercedes-Benz 600.

Das gefleckte Exemplar

In Hoorn haben wir diesen Mercedes-Benz 600 Pullman gesehen. Das ist also nicht irgendein 600er, sondern sogar die noch seltenere verlängerte Version. Um genau zu sein, handelt es sich um ein Modell von 1971, das seit 1998 in den Niederlanden steht. Ein sehr exklusiver Ort, denn es gibt nur 29 Exemplare mit niederländischen Kennzeichen. Wie viele davon ein verlängerter Pullman sind, ist unklar, da der RDW in seiner Zulassung zweideutig ist. Laut Fahrzeugregister ist zum Beispiel nur ein ‚600 Pullman‘ zugelassen, während der von uns gesichtete als ‚600‘ registriert ist. Es gibt also mindestens zwei Pullmans in den Niederlanden.







Der Mercedes-Benz 600

Der Mercedes-Benz 600, interne Bezeichnung W100, wurde 1963 als Nachfolger des W189 ‚Adenauer‘ vorgestellt. Er war ein Auto der absoluten Spitzenklasse, auf dem Niveau von Rolls-Royce. In der Tat war der 600 zum Zeitpunkt seiner Einführung das teuerste Auto der Welt. Der 600 war in zwei Grundversionen erhältlich: die ‚kurze‘ Version und der verlängerte Pullman. Kurz“ ist hier relativ, denn die Standardversion misst bereits 5,6 Meter in der Länge. Der Pullman kommt auf 6,3 Meter. Zusammen mit einer Breite von fast zwei Metern war der Mercedes-Benz 600 für seine Zeit ein gigantisches Auto. Zusammen mit dem ultimativen Luxus an Bord verdiente er sich den Spitznamen ‚Großer Mercedes‘.

Die Idee war, dass die kurze Version hauptsächlich vom Besitzer selbst gefahren wurde und der Pullman von einem Fahrer. Aus diesem Grund hat letzterer in der Regel eine Trennwand hinter den Vordersitzen. Auf der Grundlage der kurzen und der langen Version wurden auch Landaulets gebaut, deren Dächer sich weitgehend öffnen ließen. Alle Karosserievarianten können auch in vier- und sechstürige Versionen unterteilt werden, wobei letztere besonders selten sind.







Innovative Hydraulik

Im Mercedes-Benz 600 debütierten mehrere Systeme, die erst viel später üblich wurden. Besonders innovativ für die damalige Zeit waren die vielen hydraulischen Systeme. Unter anderem wurden die Sitzverstellung, die Fensterheber, die Klimaanlage und die Heckklappe hydraulisch gesteuert. Das funktionierte schneller und leiser als die damals üblichen Vakuum- und elektrischen Systeme.

Spaßfakt: Die Federung funktionierte nicht vollständig hydraulisch, da Citroën damals noch ein Patent darauf hatte. Stattdessen verfügte das Spitzenmodell von Mercedes-Benz über eine selbstnivellierende Luftfederung, eigentlich ein entfernter Vorläufer der heutigen Magic Body Control. All diese innovativen Technologien machen den Unterhalt dieses Autos teuer, sowohl heute als auch damals. Ein Trost ist, dass die Wartungskosten nicht bald den Tageswert übersteigen werden, denn auf Auktionen erzielen schöne Exemplare leicht über drei Millionen.










Antriebsstrang Mercedes-Benz 600

Aufgrund seiner Größe und all des Luxus an Bord wog der Mercedes-Benz 600 ziemlich viel. Das von uns gesichtete Exemplar hat beispielsweise ein Zulassungsgewicht von 2.740 kg. Da Mercedes-Benz zu dieser Zeit keine geeigneten Motoren hatte, wurde ein neuer 6,3-Liter-V8-Motor mit einer für die damalige Zeit beachtlichen Leistung von 184 kW (250 PS) entwickelt. Der Motor war an ein Viergang-Automatikgetriebe gekoppelt und verfügte über Hinterradantrieb.

Produktionszahlen Mercedes-Benz 600

Die Produktion nahm 1964 richtig Fahrt auf und dauerte bis 1981. In dieser Zeit wurden 2.677 Exemplare produziert, darunter 428 verlängerte Pullmans. Von diesen haben 124 eine sechstürige Karosserie. Mit 59 Exemplaren ist ein Landaulet noch seltener, insbesondere als Sechstürer (neun Exemplare). Noch seltener sind zwei zweitürige Coupés mit verkürztem Radstand und ein viertüriges Landaulet mit ebenfalls verkürztem Radstand.