Testbericht – Jeep Avenger 4xe (2025) – Ist der Avenger endlich ein echter Jeep?
Kein Plug-in, ja Hybrid
Bisher hat Jeep den Namen 4xe für Plug-in-Hybridmodelle wie den Compass 4xe und den Wrangler 4xe verwendet. Der Avenger 4xe verfügt jedoch nicht über einen Plug-in-Hybrid. Er ist ein Mild-Hybrid. Vorne sitzt ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Benzinmotor mit 100 kW (136 PS), der an ein Sechsgang-DCT-Automatikgetriebe gekoppelt ist. Er wird von zwei Elektromotoren mit je 21 kW (28 PS) unterstützt – einer an der Vorderachse und einer an der Hinterachse. Zusammen liefern sie eine Systemleistung von 107 kW (145 PS).
Damit ist der Avenger 4xe leistungsstärker als die Version mit Frontantrieb, die sich mit 73 kW (100 PS) begnügt. Er sprintet in 9,5 Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 194 km/h. Nicht schockierend schnell, aber geschmeidig genug. Noch wichtiger ist, dass er jetzt ein echter 4×4 ist.

Allradantrieb auf seine eigene Art
Der Allradantrieb des Avenger 4xe funktioniert anders als bei den klassischen Jeeps mit Verteilergetriebe und Sperrdifferentialen. Denn die Hinterräder werden von einem Elektromotor und nicht über eine Antriebswelle vom Benzinmotor angetrieben. Bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h werden immer alle vier Räder angetrieben. Zwischen 30 und 90 km/h schaltet sich der Elektromotor an der Hinterachse nur bei Bedarf zu. Darüber geht die Kraft ausschließlich an die Vorderräder – denn bei diesen Geschwindigkeiten ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie über Felsen klettern, gering.

1.900 Nm Drehmoment
Wenn Sie am Fuße eines extrem steilen Hügels stehen, müssen Sie sich keine Gedanken darüber machen, ob 145 PS ausreichend sind. Wenn Sie im Gelände fahren, ist das Drehmoment wichtiger. Davon hat der Avenger 4xe reichlich. Der Elektromotor an der Hinterachse verfügt nämlich über einen elektronischen Drehmomentwandler und kann das Drehmoment auf – Moment mal – 1.900 Nm umwandeln. Damit können Sie Steigungen von bis zu 40 Prozent bei niedriger Geschwindigkeit bezwingen.

Bodenfreiheit
Auch bei der Federung hat Jeep Hand angelegt. Der Avenger 4xe ist der einzige in der Avenger-Reihe, der über eine Mehrlenker-Hinterachse verfügt. Das mag wie ein Detail erscheinen, aber es bedeutet mehr Federweg, eine bessere Radführung und ein angenehmeres Fahrverhalten – sogar auf Asphalt.
Außerdem steht der 4xe einen Zentimeter höher auf den Rädern und die An- und Abfahrwinkel wurden verbessert. Zusammen mit den modifizierten Stoßfängern – die mit einer kratzfesten Beschichtung versehen sind – sorgt dies für einen geländetauglicheren Look. Sie erhalten serienmäßig M+S-Reifen, All Terrain-Reifen sind optional erhältlich. Auch vor einer Wasserpfütze hat er keine Angst, bis zu einer Tiefe von 40 Zentimetern bleiben Sie trocken. Alles in allem ist der Avenger also ziemlich fähig.

Erfahrung am Steuer
Die Hügel rund um Florenz bildeten die Kulisse für unsere ersten Kilometer mit dem Jeep Avenger 4xe. Keine unbarmherzige Wildnis, aber sicherlich ein Terrain, in dem Sie mit Frontantrieb schnell im Schlamm stecken bleiben oder an einem steilen, steinigen Hang feststecken. Denken Sie an aufgeweichte Waldwege, lose Felsen und tückische Schlammpfützen. Genau die Art von Bedingungen, bei denen ein durchschnittliches Privatfahrzeug ausfällt.
Der Avenger 4xe nicht. Dank seiner zusätzlichen Bodenfreiheit, verbesserten Anfahr- und Abfahrwinkeln und griffigeren Reifen pflügt er ohne zu schmollen durch die toskanische Landschaft. Das Allradantriebssystem schaltet bei Bedarf nahtlos und sorgt dafür, dass Sie immer Traktion haben – selbst wenn ein Rad kurzzeitig den Kontakt zum Boden verliert. Ein steiniger Weg bergauf? Kein Problem. Eine rutschige Landstraße bergab? Weder noch, denn er verfügt über eine Bergabfahrkontrolle.
Es fühlt sich alles kontrolliert an, ohne dass Sie als Fahrer sich abmühen müssen. Dieser Jeep ist kein Hardcore-Geländewagen, sondern ein intelligentes, kompaktes SUV, das genau weiß, wo seine Grenzen liegen – und sich traut, sie sanft zu überschreiten.

Avenger mit einem raueren Look
Äußerlich erkennen Sie den Avenger 4xe an seinen schwarzen Radkästen, der Dachreling, den Unterfahrschutzplatten und der hinteren Abschleppöse. Die hochgezogenen Nebelscheinwerfer und der mattschwarze Motorhaubenaufkleber tragen ebenfalls zu seinem abenteuerlichen Aussehen bei. Der Gesamteindruck ist härter als der des normalen Avenger, ohne übermäßig machohaft zu sein. Die Proportionen bleiben freundlich.



Waschbare Stühle
Im Innenraum finden Sie natürlich auch einige einzigartige Details. Die Sitze sind mit einem speziellen, abwaschbaren Material gepolstert. Das ist praktisch, wenn Sie mit nasser Kleidung oder schmutzigen Schuhen an Bord kommen. Eine Anspielung auf die Natur, obwohl der Innenraum ansonsten weitgehend mit dem des normalen Avenger identisch ist.
Sie befinden sich immer noch in einem kompakten Crossover mit einem modern aussehenden Armaturenbrett, einem digitalen Kombiinstrument und einem Infotainment-Bildschirm, der einfach das tut, was er tun soll. Erwarten Sie keinen übermäßigen Luxus wie Lederpolsterung oder Massagefunktionen, aber alles fühlt sich solide und durchdacht an.



Ist der 4xe den Preisunterschied wert?
Der Jeep Avenger 4xe wird mindestens 39.500 Euro kosten. Das sind etwa 8.000 Euro mehr als für den frontgetriebenen Hybrid mit 100 PS. Dafür bekommen Sie einen komplexeren Antriebsstrang, mehr Leistung, ein fortschrittlicheres Fahrwerk und Allradantrieb.
Aber seien wir ehrlich: brauchen Sie das in den Niederlanden wirklich? Die meisten Käufer werden nicht wöchentlich einen Bergpass erklimmen oder durch Flüsse fahren. Für diejenigen, die in der Stadt leben und gelegentlich einen Waldweg nehmen, reicht der normale Avenger aus. Dennoch bietet der 4xe etwas Zusätzliches: Charakter. Er fühlt sich robuster an, kompletter – mehr Jeep.



Fazit
Der Jeep Avenger 4xe ist nicht nur irgendein neues Modell. Er ist der erste Avenger, der es mit anderen 4×4-Modellen aufnehmen kann. Kein Gimmick, sondern ein durchdachter kompakter SUV mit echtem Allradantrieb, verbesserten Offroad-Fähigkeiten und einem komfortableren Fahrwerk.
Gleichzeitig ist er aber kein robuster Offroader wie ein Wrangler oder Defender. Der Avenger 4xe bleibt ein kompakter Crossover, aber einer, der mehr kann, als seine Größe vermuten lässt. Sind Sie auf der Suche nach einem kleinen SUV, den Sie getrost auf eine winterliche Bergstraße oder einen schlammigen Campingplatz mitnehmen können? Dann ist dies der Avenger, den Sie haben sollten.

