Peugeot Polygon Concept: Testplattform für nachhaltige Materialien
Hypersquare und Steer-by-Wire: ein Lenkrad ohne Lenksäule
Das auffälligste Element ist das Hypersquare-Lenkrad, ein Lenkungsmodul mit vier Steuerpunkten in den Ecken. Die Form unterscheidet sich von einem klassischen Lenkrad und ist mit Steer-by-Wire verbunden. Dabei gibt es keine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderrädern; das Auto registriert die Lenkbefehle über elektronische Signale.
Peugeot hebt besonders die variable Lenkübersetzung hervor. Bei niedrigen Geschwindigkeiten braucht der Fahrer kaum Lenkbewegungen zu machen, während bei höheren Geschwindigkeiten minimale Eingaben genügen, um den Kurs anzupassen. Der maximale Einschlagwinkel ist auf 170 Grad in beide Richtungen begrenzt. Der Hersteller verspricht sich davon ein präziseres Handling, obwohl die endgültige Erfahrung von der Abstimmung in einer späteren Serienversion abhängen wird.
Die Technologie filtert außerdem unerwünschte Vibrationen heraus und sorgt für ein intaktes Feedback. Damit positioniert Peugeot das Polygon als Testumgebung für eine andere Art des Fahrens, bei der die klassischen Lenkeigenschaften einer digitalen Interpretation weichen.

Die Windschutzscheibe als Display: eine andere Form der Informationsvermittlung
Im Innenraum ersetzt Peugeot das herkömmliche Armaturenbrett durch ein Projektionssystem, das Informationen über ein mikrobeleuchtetes Panel auf der Windschutzscheibe anzeigt. Die Oberfläche – 24 cm breit und 74 cm hoch – erinnert von der Größe her an einen Großbildschirm, aber die Bedienung lehnt sich eher an die Head-up-Display-Technologie an.
Die Visualisierung ändert sich mit dem gewählten Fahrprogramm, wobei sich die Atmosphäre innen und außen synchron bewegt. Im Stand sind die Animationen von außen sichtbar. Peugeot sieht darin eine Möglichkeit, Funktionen und Stimmung mit dem Aussehen des Autos zu verbinden. Für den Fahrer kann es ein klares Sichtfeld bieten, obwohl das Fehlen eines klassischen Kombiinstruments auch Fragen zur Ablesbarkeit bei hellem Sonnenlicht oder Regen aufwirft.
Neue Interpretation des Peugeot-Designs
Das Polygon zeigt auch eine Designstudie. Die bekannte Lichtsignatur mit den drei Klauen kehrt zurück, allerdings in einer animierten horizontalen Anordnung mit Mikro-LEDs. Auch das Heck weist ähnliche Elemente auf. An der C-Säule zeigt ein separates Display den Ladestatus an, um die Informationen von außen lesbar zu machen.
Die Karosserie besteht aus sauberen, geometrischen Flächen und großen Türbereichen. Der Polygon hat nur zwei Schmetterlingstüren, was den Zugang vereinfachen soll, in der Praxis aber auch zu Einschränkungen in engen Parklücken führen kann. Die Farben und Akzente variieren je nach Konfiguration; Peugeot stellt das Auto bewusst als eine Leinwand für die persönliche Gestaltung zur Verfügung.

Interieur: hell, offen und anpassungsfähig
Im Innenraum fällt besonders auf, wie viel Wert auf Platz und Flexibilität gelegt wird. Die Tatsache, dass das Armaturenbrett kompakter ist – zum Teil aufgrund des Steer-by-Wire-Systems ohne Lenksäule – schafft mehr Beinfreiheit und Stauraum.
Die Sitze sind aus einer 3D-gedruckten Schale und einem einzigen Stück Schaumstoff gefertigt. Diese Konstruktion soll für mehr Formfreiheit und ein geringeres Gewicht sorgen. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich solche Sitze bei langfristiger Nutzung, Abnutzung und Komfortanforderungen in einem Serienfahrzeug bewähren.
Der Innenraum erhält viel natürliches Licht durch größere Glasflächen und das Fehlen einer B-Säule. Das sorgt für eine offene Atmosphäre, aber die strukturellen Folgen eines solchen Designs sind noch unklar.
Nachhaltige Nutzung von Materialien als Experiment
Peugeot nutzt das Polygon Concept als Pilotplattform für alternative Produktionsmethoden. Die Materialien im Innenraum bestehen aus recycelten Autositzen, Kunststoff aus R-PET und Lack aus recycelten Bestandteilen von Altreifen.
Sitze, Radkappen, Armaturenbretter und sogar das Hypersquare-Lenkrad können schnell ausgetauscht werden, wodurch das Auto theoretisch länger nutzbar sein sollte. Die Anzahl der Teile wurde bewusst niedrig gehalten, um das Gewicht, die Produktionskomplexität und die Demontage zu reduzieren.
Drei Gesichter: Urban, Player und Explorer
Um zu zeigen, wie weit die Personalisierung gehen kann, führt Peugeot drei Konfigurationen ein:
- Urban, mit Schwerpunkt auf der städtischen Nutzung
- Spieler, mit sportlicherem Aussehen
- Explorer, mit Off-Road-Einflüssen
Die Konfigurationen sind nicht als konkrete Versionen gedacht, sondern sollen die Variabilität veranschaulichen, die Peugeot sich vorstellt. Alle drei können in der von Peugeot entwickelten Fortnite-Insel Polygon City virtuell besichtigt werden.
Warum dieses Konzeptfahrzeug wichtig ist
Für Peugeot ist das Polygon Concept in erster Linie ein Mittel, um technische, ergonomische und visuelle Ideen zu testen. Die wichtigsten Säulen sind:
- eine neue Art der Lenkung ohne mechanische Lenksäule
- ein Interieur, das Informationen anders präsentiert
- breitere Verwendung von recycelten Materialien
- modulare Komponenten, die leicht austauschbar sind
Als solches sagt das Modell etwas über die Richtung aus, die Peugeot einschlagen könnte. Gleichzeitig bleibt es ein Konzeptfahrzeug: Viele Elemente sind experimentell und müssen zu einem späteren Zeitpunkt auf Nutzbarkeit, Regulierung und Kosten getestet werden.
