Kabelloses Laden von Elektroautos
Kabelloses Laden – oder induktives Laden – ist eine Möglichkeit, Energie auf die Batterie eines Elektroautos (EV) zu übertragen, ohne ein physisches Ladekabel. Ihr Auto ist also nicht an die Steckdose angeschlossen, sondern Sie parken es über einer Ladeplatte im Boden. Unter dem Auto ist ein Empfänger angebracht. Sobald die beiden Teile in Reichweite zueinander kommen, beginnt der Ladevorgang automatisch.
Das System besteht aus zwei Komponenten:
- eine Ladeplatte (Sender) im Boden oder auf der Straße;
- ein Empfänger unter dem Auto, der das elektromagnetische Feld in elektrische Energie für die Batterie umwandelt.
Das kabellose Laden erfolgt mit Wechselstrom. Ein magnetisches Feld zwischen den beiden Elementen überträgt die Energie. Die Technologie basiert auf dem Prinzip der ‚resonanten induktiven Kopplung‘. Wenn die Spulen im Sender (die Ladeplatte) und im Empfänger (unter dem Auto) die gleiche Resonanzfrequenz haben, erhöht sich die Effizienz.
Wie genau funktioniert das kabellose Laden?
Wenn Sie das Auto über der Ladeplatte parken, sucht das System automatisch nach der richtigen Position. Dies geschieht mithilfe von Sensoren oder Kameras. Wenn das Auto richtig positioniert ist, beginnt der Ladevorgang. Die Ladestation kommuniziert mit dem Auto, genau wie beim Laden mit einem Ladekabel. Die Ladegeschwindigkeit wird vom eingebauten Ladegerät gesteuert.
Die Kapazitäten liegen normalerweise zwischen 3,7 und 11 kW. Einige Pilotprojekte arbeiten mit 20 kW und mehr für höhere Ladegeschwindigkeiten. Theoretisch sind höhere Leistungen möglich, aber die Wärmeentwicklung und der Wirkungsgrad spielen immer noch eine begrenzende Rolle.
Der Wirkungsgrad liegt laut Testprojekten zwischen 85 und 93 Prozent und damit etwas niedriger als beim Laden per Kabel. Dieser Unterschied verringert sich aufgrund von Verbesserungen in der Elektronik und der Spulentechnologie.
Ist kabelloses Laden in den Niederlanden und Europa bereits möglich?
Das kabellose Laden steckt noch in den Kinderschuhen, aber die ersten praktischen Tests laufen bereits. In den Niederlanden gibt es Pilotprojekte bei Taxidiensten, Gemeinden und Universitäten. Ähnliche Versuche laufen auch in Ländern wie Deutschland, Norwegen, Schweden und Frankreich.
Öffentliche kabellose Ladestationen gibt es noch nicht, aber das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Hersteller und Entwickler von Ladestationen arbeiten gemeinsam an Standards, darunter SAE J2954, dem internationalen Standard für kabelloses Laden. Dieser Standard erleichtert die großflächige Einführung des kabellosen Ladens von Elektrofahrzeugen.
Wie registriere ich mich und wie gehe ich zur Kasse?
Kabelloses Laden nutzt die gleiche Infrastruktur wie das Laden mit einem Kabel. Sie registrieren sich über eine Ladekarte oder eine App. In Tests wird jedoch häufig das automatische Laden verwendet: Das Auto wird erkannt und der Ladevorgang beginnt ohne eine Karte. Die Abrechnung erfolgt anschließend, wie bei Systemen wie Plug & Charge.
Für die Verbraucher sind also nur wenige Änderungen im Zusammenhang mit dem kabellosen Laden im Vergleich zum derzeitigen Laden und Bezahlen zu erwarten. Die Technologie hinter der Registrierung und Bezahlung kann vollständig in bestehende Systeme integriert werden.

Welche Anforderungen sollte Ihr Elektroauto erfüllen?
Nicht jedes Elektroauto kann kabellos aufgeladen werden. Das Auto muss damit ausgestattet sein:
- Ein induktiver Empfänger oder ein Lademodul unter dem Boden;
- ein Software-Update, das die Kommunikation mit der drahtlosen Ladestation unterstützt;
- Bordelektronik, die die Leistung der Induktionsanlage verarbeiten kann.
Einige Modelle sind für das kabellose Laden vorbereitet, verfügen aber noch nicht über den Empfänger. Andere Autos können im Prinzip nachgerüstet werden, aber das erfordert eine aufwändige Montage (Einbau am Boden, Kopplung mit dem On-Board-Ladegerät). Im Moment ist dies etwas, das nur in Piloten passiert.
Welche Anforderungen muss die Ladestation erfüllen?
Eine kabellose Ladestation besteht aus:
- eine vergrabene oder eingebaute Ladeplatte mit Spulen;
- einen Wechselrichter, der die Energie in das entsprechende elektromagnetische Feld umwandelt;
- Kommunikationshardware für die Authentifizierung und Zahlungsabwicklung;
- ein vollständig wasserdichtes und wetterfestes System, das unter allen Bedingungen sicher funktioniert.
Die Installation muss perfekt sein. Ein zu großer Abstand zwischen Auto und Platte verringert die Effizienz oder stoppt sogar den Ladevorgang. Standards wie SAE J2954 helfen dabei, Einheitlichkeit zu erreichen, damit Autos und Ladestationen gut miteinander kommunizieren.
Welche Autos sind für kabelloses Laden geeignet?
Derzeit haben die meisten Premiummarken Prototypen oder Testfahrzeuge. Denken Sie an:
- BMW 530e (Plug-in-Hybrid) – eines der ersten Modelle, das kabelloses Laden als Option im Test anbietet;
- Mercedes-Benz EQ Modelle– in Entwicklung für zukünftige induktive Lademöglichkeiten;
- Hyundai und Kia – arbeiten an induktiven Lademodulen auf der Basis der E-GMP-Plattformtechnologie;
- Volvo und Polestar – nehmen an nordischen Testprojekten für induktives Laden teil;
- Tesla – arbeitet an seinem eigenen System.
Derzeit ist das kabellose Laden vor allem eine Technologie in der Pilotphase. Es ist unwahrscheinlich, dass sie bis zum Ende dieses Jahrzehnts in großem Maßstab verfügbar sein wird.

Kosten für kabelloses Laden
Die Kosten sind derzeit schwer zu bestimmen, da das kabellose Laden noch keine Standardtechnologie für Verbraucher ist. Richtpreise aus Pilotprojekten zeigen:
- Installation einer kabellosen Ladestation für zu Hause: zwischen €2.500 und €4.000;
- Autoumbau: je nach Modell und Hersteller zwischen €1.000 und €3.000.
Der Preis pro kWh ist aufgrund der geringeren Effizienz etwas höher als beim Laden per Kabel. In Testfällen liegt dieser Unterschied bei durchschnittlich 5-10 Prozent. Je besser die Technologie wird, desto geringer wird dieser Unterschied.
Kabelloses Laden zu Hause
Das kabellose Laden zu Hause wird als eine der wichtigsten Anwendungen angesehen. Sie müssen nicht mehr nach einem Kabel greifen und das Auto beginnt automatisch zu laden, sobald Sie in der Einfahrt oder Garage parken.
Was Sie brauchen:
- eine kabellose Ladestation, die in den Boden, die Auffahrt oder die Garage integriert ist;
- einen Anschluss an Ihren Zählerkasten, ähnlich wie bei einer normalen Ladestation;
- Möglicherweise müssen Sie Ihr Auto anpassen, wenn es nicht bereits über einen Empfänger verfügt;
Die Installation erfordert einen Fachmann und ist komplizierter als bei einer normalen Ladestation, da der Boden ausgefräst werden muss.
Kabelloses Laden an öffentlichen Ladestationen
Öffentliche Induktionsladestationen sind noch selten, aber die Infrastruktur wird bereits vorbereitet. Mehrere Städte testen mit:
- Taxis, die automatisch an Warteschlangen laden, so dass die Fahrer nicht aussteigen müssen;
- Elektrobusse, die an Haltestellen und Endhaltestellen kabellos aufgeladen werden;
- dynamische Ladespuren, auf denen Autos während der Fahrt aufgeladen werden (Schweden und Israel testen dies bereits).
Für Personenkraftwagen werden hauptsächlich Parkplätze in Städten, Einkaufszentren und Mobilitätszentren in Betracht gezogen.
Unterschied zum Laden per Kabel
Die größten Unterschiede:
- Benutzerfreundlichkeit: kein Kabel, keine schmutzigen Hände, der Ladevorgang beginnt automatisch;
- Effizienz: etwas geringer als beim Laden mit Kabel;
- Kosten: vorerst höher aufgrund der teuren Hardware;
- Geschwindigkeit: derzeit begrenzt auf 3,7-11 kW; zukünftige Systeme versprechen höhere Leistungen.
Dennoch sehen viele Hersteller das kabellose Laden als logischen nächsten Schritt in Richtung vollautomatische Mobilität. Die Basis ist vorhanden. Die Technologie funktioniert, die Standards sind bereit und die ersten Praxistests sind vielversprechend. Für die Verbraucher heißt es nun, auf geeignete Autos und erschwingliche Ladestationen zu warten. Zu Hause wird sich das kabellose Laden wahrscheinlich als erstes durchsetzen, gefolgt von der öffentlichen Infrastruktur.
