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Steer-by-wire: Lenken ohne direkte Verbindung!?

März 26, 2025

Was ist Steer-by-Wire?

Bei herkömmlichen Lenksystemen sind das Lenkrad und die Vorderräder mechanisch über eine Lenksäule verbunden. Bei Steer-by-Wire fehlt diese physische Verbindung und die Lenkung erfolgt vollständig elektronisch. Wenn der Fahrer das Lenkrad bewegt, registrieren Sensoren dies und senden Signale an ein elektronisches Steuergerät. Diese berechnet dann, wie weit sich die Räder drehen sollen, und steuert Aktuatoren an, um dies auszuführen. Dieses System ähnelt der ‚Fly-by-Wire‘-Technologie in der Luftfahrt, bei der die Steuereingaben des Piloten ebenfalls elektronisch übermittelt werden.

Wie genau funktioniert Steer-by-Wire?

Anstelle eines festen mechanischen Getriebes bestimmt eine Software, wie direkt die Lenkung reagiert. Der Zentralcomputer analysiert nicht nur die Lenkbewegung, sondern berücksichtigt auch Faktoren wie die Geschwindigkeit und die Fahrbedingungen. Bei niedrigen Geschwindigkeiten, z. B. beim Einparken oder in Kurven, drehen die Räder bei einer kleinen Lenkbewegung stärker durch, so dass weniger Lenkeingaben erforderlich sind. Auf der Autobahn geschieht das Gegenteil: Die Lenkung wird weniger direkt und sorgt für mehr Stabilität und Richtungsstabilität.

Da es bei Steer-by-Wire keine physische Verbindung zwischen dem Lenkrad und den Rädern gibt, fehlt die natürliche Rückmeldung der Straßenoberfläche. Um dies zu kompensieren, kann das System haptisches Feedback über das Lenkrad geben. Das bedeutet, dass Vibrationen und Gegendruck simuliert werden, so dass der Fahrer immer noch das Gefühl von Grip und Widerstand hat, ähnlich wie bei einem herkömmlichen Lenksystem.

Was geschieht im Falle einer Fehlfunktion?

Eine wichtige Frage ist, was passiert, wenn das Steer-by-Wire-System ausfällt. Werden Sie dann noch die Kontrolle über das Auto haben, wenn es keine direkte Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern gibt? Moderne Steer-by-Wire-Systeme sind zum Glück mit mehreren so genannten redundanten Schichten ausgestattet. Dabei handelt es sich um zusätzliche Systeme, die als Back-up bereitstehen, wenn etwas schief geht. Wenn eine Komponente ausfällt, übernimmt eine Backup-Komponente automatisch ihre Funktion. In einigen Autos mit Steer-by-Wire gibt es sogar eine weitere mechanische (Not-)Verbindung, die im Falle eines Ausfalls eingeschaltet wird. Andere Modelle verlassen sich ganz auf elektronische Alternativen. Solche Sicherheitssysteme sind vorgeschrieben, um die strengen Vorschriften für die Fahrzeugkontrolle zu erfüllen.

Vor- und Nachteile von Steer-by-Wire

Ein Steer-by-Wire-System bietet mehr Gestaltungsfreiheit. Ohne eine feste Lenkstange können Designer den Innenraum umgestalten und zum Beispiel die Sitzposition oder die Form des Armaturenbretts optimieren. Auch das Fahrerlebnis profitiert: Das Lenkverhalten kann digital an die Gegebenheiten oder die Vorlieben des Fahrers angepasst werden. Denken Sie an eine direktere Lenkung in Kurven oder, im Gegenteil, an ein ruhigeres Verhalten auf der Autobahn. Ein möglicher weiterer Vorteil von Steer-by-Wire ist die Gewichtseinsparung. Durch den Wegfall der traditionellen Lenksäule kann das Fahrzeug leichter werden. In der Praxis wird dieser Vorteil jedoch durch die zusätzlichen Komponenten, die für Sicherheits- und Rückhaltesysteme benötigt werden, teilweise wieder aufgehoben. Dennoch kann es unter dem Strich zu Einsparungen kommen, insbesondere in Kombination mit Platzeinsparungen im Innenraum.

Den Vorteilen stehen aber auch klare Nachteile gegenüber. Steer-by-wire macht das Auto technisch komplexer, indem es die Lenkung vollständig von Sensoren, Software und Aktuatoren abhängig macht. Wegen der Sicherheits-Backup-Systeme verfügt das Auto sozusagen über zwei Lenksysteme statt einem. Diese Komplexität kann zu höheren Entwicklungs- und Wartungskosten führen. Außerdem ist das System anfälliger für Ausfälle als eine herkömmliche mechanische Lenkung. Schließlich können auch elektronische Komponenten ausfallen, zum Beispiel durch Feuchtigkeit oder einen defekten Sensor. Schließlich ist die Technologie mit zusätzlichen Kosten verbunden. Die Entwicklung und Integration eines zuverlässigen Steer-by-Wire-Systems ist teurer als eine herkömmliche Lösung, was letztendlich zu einem höheren Verkaufspreis führen kann.

Welche Autos haben bereits Steer-by-Wire?

Steer-by-wire ist noch eine relativ neue Technologie, aber es gibt jetzt schon einige Serienmodelle auf dem Markt, die damit ausgestattet sind. Im Jahr 2013 war der Infiniti Q50 eines der ersten Autos mit einem Steer-by-Wire-System, kombiniert mit einer mechanischen Notverbindung für den Fall, dass das System ausfällt. Das nächste ‚Auto‘ mit Steer-by-Wire erschien erst 2024, in Form des futuristischen Tesla Cybertruck. Der Cybertruck verfügt über eine vollelektronische Lenkung, ohne mechanische Kupplung. Seit dem Modelljahr 2025 ist auch der Lexus RZ 450e mit Steer-by-Wire erhältlich. Dasselbe gilt für den technisch eng verwandten Toyota bZ4X. Bei beiden Fahrzeugen ist das System als Option erhältlich.

Fazit

Steer-by-wire verändert die Art und Weise, wie Autos gefahren werden, grundlegend. Die Technologie steht noch am Anfang ihrer Entwicklung, aber die ersten Autos mit diesem System zeigen bereits, was möglich ist. Mehr Designfreiheit, eine anpassungsfähigere Lenkung und potenziell weniger Gewicht sind klare Pluspunkte. Gleichzeitig bringt das System aber auch Herausforderungen mit sich. Es ist komplex, teurer in der Entwicklung und störanfälliger als ein herkömmliches Lenksystem. Außerdem empfinden es manche Fahrer als unangenehm, dass das Lenkrad nicht mehr (immer) physisch mit den Rädern verbunden ist – eine psychologische Barriere, die die Hersteller ebenfalls überwinden müssen.