Autotests

Rückblick – Ford Ranger Raptor (2023)

Juli 20, 2023

Für das Modelljahr 2010 stellte Ford den F-150 SVT Raptor vor, eine extreme Offroad-Version des beliebten Full-Size“-Pick-ups. Er erwies sich als Erfolg und alle nachfolgenden Modellgenerationen des F-150 erhielten eine Raptor-Version. Für 2019 hat Ford beschlossen, das Erfolgsrezept auch auf den „mittelgroßen“ Ranger anzuwenden. Auch hier traf das Konzept ins Schwarze. Selbst hier in den Niederlanden sieht man den ersten Ford Ranger Raptor noch regelmäßig fahren.

Ford Ranger Raptor der zweiten Generation

Im Jahr 2022 lüftet Ford den Vorhang für die zweite Generation des Ford Ranger Raptor. Inzwischen hat das Modell die Überfahrt geschafft und wir können es auch in Europa auf die Straße bringen. Trotz dieser Kreuzung ist der neue Ford Ranger übrigens nicht unbedingt ein amerikanischer Pick-up. Der bisherige Ford Ranger stammte von der australischen Niederlassung der Marke. Das neue Modell baut darauf auf, allerdings mit einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen den globalen Ford-Abteilungen.

Einige strukturelle Karosserieteile, die Türen und Fenster wurden vom Vorgängermodell übernommen. Blech und Innenraum sind jedoch komplett neu, und auch die restliche Technik unter der Haube wurde so weit überarbeitet, dass man wirklich von einer neuen Modellgeneration und nicht von einem Facelift sprechen kann. Die meisten Teile sind auch nicht direkt zwischen dem neuen und dem vorherigen Modell austauschbar.

Die Raptor-Formel

Die Raptor-Behandlung des Ford Ranger ist auf den ersten Blick zu erkennen: dicke Geländereifen, eine höhere Fahrhöhe und breitere Radkästen. Außerdem wurde die Aufhängung so verändert, dass große Hindernisse kein Problem darstellen dürften. Weitere technische Details über den Ford Ranger Raptor können Sie hier nachlesen.










Ford Ranger Raptor auf grauem Nummernschild

Praktisches Detail: Der Ford Ranger Raptor ist nur als Doppelkabine erhältlich, aber um ihn für das niederländische graue Nummernschild geeignet zu machen, fehlt der Rücksitz. Das hintere linke Seitenfenster ist ebenfalls abgedunkelt. Hinter den Vordersitzen befindet sich eine zusätzliche Trennwand. Zum Glück ist er nicht im Weg der Vordersitze. So findet man eine bequeme Sitzposition, ohne wie in vielen Vans sehr aufrecht zu sitzen. An sich ist es schade, dass man nicht mit vier oder fünf Personen ausgehen kann. Andererseits ist ein so großer und geschlossener zusätzlicher Gepäckraum auch willkommen, vor allem, wenn man den Pick-up tatsächlich für die Arbeit nutzt.













Ford Ranger Raptor jetzt mit V6

Wie die vorherige Generation ist der Ford Ranger Raptor mit einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor erhältlich, der mit 153 kW (205 PS) und 500 Nm mehr oder weniger die gleichen Leistungen wie das Vorgängermodell erbringt. Der neue Ranger Raptor ist aber auch mit dem „echten“ 3,0-Liter-V6-Benzinmotor erhältlich. Wie beim großen Bruder F-150 Raptor haben Sie immer eine Zehngang-Automatik (und natürlich zuschaltbaren Allradantrieb).

Wie viel Leistung der V6 liefert, ist je nach Markt unterschiedlich. In Nordamerika steht ihnen die volle Leistung von 302 kW (411 PS) zur Verfügung, in Australien haben sie mit 292 kW (392 PS) ebenfalls keinen Grund zur Klage. Aufgrund der strengeren Emissionsvorschriften wurde die Leistung der europäischen Version auf 215 kW (292 PS) reduziert. Das ist im Übrigen immer noch mehr als genug. Auch das Drehmoment ist mit 491 Nm durchaus angemessen. Ein praktisches Detail: Die Modifikationen am Raptor reduzieren das maximale Anhängelast von 3.500 auf 2.500 kg. Das ist zwar immer noch eine Menge, aber dennoch gut zu bedenken.










Ford Ranger Raptor ist ein großer Junge

Außerdem erwartet uns die V6-Benzinversion in der nicht ganz so dezenten Farbe Code Orange. Um ehrlich zu sein, ist der Ford Ranger Raptor doch größer als erwartet, jetzt wo wir direkt neben ihm stehen. Es ist zwar „nur“ der Ranger und kein F-150, aber er ist immer noch über fünf Meter lang. Als verlängerter Raptor ist er knapp über zwei Meter breit und fast genauso hoch.

Zeit, sich auf den Weg zu machen. Wenn man sich hinters Steuer setzt – für Kleinwüchsige bietet das serienmäßige Trittbrett eine Lösung – scheint das Auto nur noch größer geworden zu sein. Die größere Fahrhöhe bedeutet, dass Sie im Ranger Raptor genauso hoch sitzen wie in einem normalen F-150. Oder so hoch wie beim größten Transit-Modell, um bei den europäischen Modellen zu bleiben. Dann blickt man auch über eine große flache Motorhaube, ein starkes Gefühl. Übrigens ist die hohe Sitzposition auch sehr schön für den Überblick über die Straße. Sie schauen sich oft nur Ihre Vorgänger an und können so noch besser vorhersehen, was vor Ihnen passiert.

Erstaunlich agil

Wenn man sich erst einmal an die Abmessungen gewöhnt hat, sind sie überhaupt nicht hinderlich. Der Ford Ranger Raptor ist erstaunlich gut platziert. Die Rückfahrkamera ist nach wie vor willkommen, und auch die Rundumsicht ist nicht allzu schlecht. Er ließ sich auch mühelos durch die engen Straßen eines historischen Stadtzentrums lenken – und wurde dafür sogar mit einem anerkennenden Nicken eines Mannes belohnt, der mit seinem Bier auf einer Terrasse saß. Selbst ein überfüllter Drive-Thru einer bekannten Fast-Food-Kette war kein Problem. Als wäre er dafür gemacht: Neben Becherhaltern hat der Ranger sogar einen Chipshalter.

Entgegen unseren Erwartungen hatten wir auch keine Probleme beim Parken. OK, das eine Mal, als wir in der Schlange stehen mussten, um zu parken, hatten wir zufällig einen schönen breiten Platz, aber an anderen Stellen ist die Breite kein Problem. Da das Auto an den Türen etwas weniger breit ist als an den Radkästen, ist das Ein- und Aussteigen auch in recht engen Parklücken noch gut möglich.










Besonders enge Straßenlage

Auf der Straße sorgt der neue Ford Ranger Raptor schnell für eine positive Überraschung. Hochbeinige Geländewagen mit Offroad-Reifen zeichnen sich oft nicht gerade durch ein gutes Handling auf Asphalt aus, aber der Ranger Raptor fährt sich ziemlich straff. Es versteht sich von selbst, dass er keine schnellen Kurvenfahrten mag, aber die Lenkung ist ordentlich direkt und geradeaus ist er schön gleichmäßig. Auch bei höheren Geschwindigkeiten. Schon das Vorgängermodell fuhr sich nicht schlecht, aber Ford hat eindeutig einen weiteren Schritt nach vorne gemacht.

Mit dem Ford Ranger Raptor können Sie bequem 130 km/h fahren, aber er lädt eher dazu ein, es langsam anzugehen. So seltsam das auch klingen mag, mit einer Art Sportversion. Schönes Cruisen bei etwa 110 km/h, ruhig durch die Kurven, den Rest rauschen lassen. Im Übrigen bieten die ansonsten bequemen Sitze auch etwas wenig Seitenhalt für schnelle Kurvenfahrten.

Cruisen und Sprinten

Zwischen den Fahrten lädt der Ford Ranger Raptor zu gelegentlichen Sprints ein, oder zumindest zu einer stärkeren Beschleunigung. In dieser Hinsicht ist die reduzierte Leistung für Europa überhaupt kein Problem. Selbst während der Sprints haben wir keinen Moment lang gedacht, ‚wenn wir nur 100 PS mehr hätten‘. Außerdem kommt er auf diese Weise sehr schnell vom Fleck. Auf dem Papier werden 100 km/h in 7,9 Sekunden erreicht, aber es fühlt sich schneller an. Natürlich ist auch die relativ bescheidene Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h mehr als genug für ein solches Auto.

Schwellenwerte existieren nicht mehr

Es versteht sich fast von selbst, dass auch der Federungskomfort sehr gut ist. Es fällt jedoch auf, dass kurze Stöße recht deutlich weitergegeben werden. Sogar frische Straßenbeläge sind zu spüren. Nicht unangenehm, aber spürbar. Große Unreinheiten hingegen werden praktisch eliminiert. Das Bremsen vor Bodenschwellen gehört der Vergangenheit an (nein, wirklich), und selbst das geradeaus Fahren über erhöhte Fahrbahntrennungen in einem Kreisverkehr ist mit angemessenem Komfort möglich (aber ansonsten haben wir uns gut benommen, wohlgemerkt).

Assistenzsysteme

Auch alle modernen Fahrassistenzsysteme sind einfach da. Vielleicht ein bisschen zu präsent. Der Frontkollisionswarner warnte zum Beispiel einige Male fälschlicherweise vor einem bevorstehenden Zusammenstoß. Der Spurhalteassistent an sich greift sehr subtil, aber ein wenig zu früh ein. Das System wurde also ohnehin bald abgeschaltet. Zum Glück ist dies mit einer Taste am Lenkrad sehr einfach. Wie bereits erwähnt, sind Einparkhilfesysteme jedoch willkommen.

Fahrmodi: Die Auswahl ist groß

Der Ford Ranger Raptor bietet darüber hinaus eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten für das Fahrverhalten. Für Asphalt stehen die Fahrmodi Normal, Sport und Slippery zur Auswahl. Der Unterschied ist wie bei anderen Autos: Normal ist die neutralste Einstellung. Im Sport-Modus wird die Drehzahl etwas höher gehalten (sprich: der Motor reagiert lebhafter), die Lenkung ist etwas schwerer und die Dämpfung ist etwas straffer.










Wenn Sie ins Gelände gehen, haben Sie die Wahl zwischen Rock Crawl, Sand, Mud/Ruts und Baja. Die ersten drei sprechen so ziemlich für sich selbst. Dann wird der Antriebsstrang auf die jeweiligen Oberflächen abgestimmt. Diese Fahrmodi sind nur für niedrige Geschwindigkeiten geeignet, und sei es nur, weil sie das Getriebe in einem niedrigen Gang blockieren. Baja ist in dieser Hinsicht das Gegenteil: Dieser Fahrmodus ist ganz darauf ausgerichtet, so hart wie möglich über unwegsames Gelände zu stapfen. Genau wie bei den Baja-Rennen.

Ein bisschen Offroad

In Zeiten wie diesen ist es eine Schande, dass die Niederlande ein so gutes Straßennetz haben. Leider kamen wir kaum dazu, den Ford Ranger Raptor im Gelände zu fahren. Wir fahren nur ein kleines Stück Feldweg zwischen den Wiesen, mit tiefen Schlammpisten. Durch die Trockenheit der letzten Wochen ist die Bodenhaftung jetzt nicht mehr so schwierig, aber wir können testen, wie leicht sich der Raptor durch tiefe Schlaglöcher arbeitet.

Die hohe Bodenfreiheit erweist sich als Mehrwert, und der Raptor arbeitet sich mühelos über die raue Piste. Und das sogar ohne allzu heftige Körperbewegungen. Im Vergleich dazu schüttelte sich der Bauer, der wenig später mit seinem Traktor den Weg entlangfuhr, in seiner Kabine heftig, während es im Raptor so war, als würde man mit einem normalen Auto über eine Bodenwelle fahren.










Vollständig anpassbar

Per Knopfdruck am Lenkrad können Dämpfung und Lenkung unabhängig von den Fahrmodi eingestellt werden. Praktischerweise müssen Sie sich nicht über den Touchscreen durch die Menüs wühlen. Mit diesen Tasten können Sie zum Beispiel alles auf Sport einstellen, außer den schwereren Bedienelementen. Oder umgekehrt, dass man im normalen Fahrmodus immer noch die etwas weichere Dämpfung der Offroad-Modi hat. Letzteres ist übrigens unsere bevorzugte Einstellung.

Sogar die Lautstärke des Auspuffs ist per Knopfdruck einstellbar. Der Band hat vier Ebenen. Im Leisemodus ist der Motor im Leerlauf kaum zu hören, und selbst beim Beschleunigen bleibt er bei einem dezenten Rumpeln. In der lautesten Einstellung Baja öffnen alle Ventile und der Raptor macht sich deutlich bemerkbar, sobald man das Gaspedal berührt. Klingt gut! Die Modi Normal und Sport liegen dazwischen. Hat man die idealen Einstellungen selbst ermittelt, können diese als zusätzlicher, personalisierter Fahrmodus über die R-Taste am Lenkrad gespeichert werden.

Akustischer Komfort

Apropos Sound: Der akustische Komfort des Ford Ranger Raptor ist recht gut. Die Reifengeräusche sind relativ präsent, vor allem bei höheren Geschwindigkeiten. Das war bei solchen Geländereifen mit dickem Profil zu erwarten. Ansonsten ist es im Innenraum einfach nur schön ruhig, es gibt kaum Windgeräusche. Die Geräuschdämmung ist sogar so gut, dass das Öffnen des Fensters fast mehr Einfluss darauf hat, wie viel man vom Auspuff hört, als die Wahl eines anderen Geräuschmodus.

Das Bang & Olufsen Audiosystem, das im Raptor serienmäßig verbaut ist, sorgt natürlich für guten Klang. Allerdings erzeugen bestimmte Bassfrequenzen bei etwas höherer Lautstärke eine deutliche Resonanz im hinteren Bereich des Innenraums. Wir haben das Gefühl, dass das vibrierende Geräusch von der Trennwand hinter den Vordersitzen kommt. Schließlich wurde diese Wand auch nachträglich für das niederländische graue Nummernschild hinzugefügt.

Preise und Ausstattung Ford Ranger Raptor

Da trifft es sich gut, dass der Ford Ranger Raptor in den Niederlanden im Grunde nur mit grauen Nummernschildern erhältlich ist. Immerhin bleibt es dadurch noch relativ erschwinglich. Er ist ab 56.750 € erhältlich. Ein serienmäßiger Ranger kostet ab 31.510 Euro (oder 31.310 Euro mit einem nackten Fahrgestell hinter dem Fahrerhaus für weitere Aufbauten). Dann haben Sie noch keine Optionen angekreuzt. Wenn man bedenkt, was man für den Mehrpreis des Raptor an Ausstattung und – vor allem – an Erfahrung erhält, ist der Preisunterschied unserer Meinung nach nicht allzu groß.

Die vollständige Liste der Ausrüstungen und die entsprechenden Preise finden Sie unter www.ford.nl. Wir möchten jedoch nur einige Highlights herausgreifen. Abgesehen von den bereits erwähnten Dingen erhalten Sie serienmäßig Features wie LED-Matrix-Scheinwerfer, zehnfach elektrisch verstellbare Sitze mit Lederpolsterung, das umfangreichste Infotainment, eine Anhängerkupplung mit Stromanschluss und einen zusätzlichen Schutz für die Ladefläche.










Praktisch sind auch die Steckdosen im Laderaum, eine 12-V- und eine 230-V-Steckdose. Für letztere benötigen Sie aufgrund der Art der Steckdose einen Adapter. Der elektrisch betriebene Rollschirm über dem Laderaum des Testwagens ist eine Option, die zusammen mit der Sportsbar hinter der Kabine 1.850 Euro kostet. Das nimmt zwar auch etwas Laderaum weg, aber an sich ist es schön, dass man den Kofferraum komplett schließen kann.













Kraftstoffverbrauch Ford Ranger Raptor

Der Vollständigkeit halber wollen wir ihn trotzdem ansprechen: den Kraftstoffverbrauch. Wie erwartet, ist der Ford Ranger Raptor kein Sparwunder. Am Ende unseres Testzeitraums meldet der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 11,8 l/100 km (1 zu 8,5), bzw. 11,6 l/100 km (1 zu 8,6), wenn man die Fotosession und das Stück Offroad ausklammert. Dennoch ist das immer noch besser als der offizielle WLTP-Verbrauch von 13,8 l/100 km (1 zu 7,2). Abgesehen von ein paar Sprints fuhren wir einfach ruhig mit dem Verkehr mit. Mit dem WLTP könnten sie noch stärker beschleunigt haben.

Fazit

Ehrlich gesagt, konnte ich während des Testzeitraums kein vernünftiges Kaufargument für den Ford Ranger Raptor finden. Oder es sollte sein, dass er kompakter, handlicher und sparsamer ist als ein F-150 Raptor. Die Frage ist jedoch, wie man den Ranger Raptor rational betrachten kann. Man kauft es hauptsächlich, weil es einfach schön ist. Seine sehr guten Offroad-Fähigkeiten kann man in den Niederlanden kaum gebrauchen, aber auch auf Asphalt ist jede Fahrt ein Genuss. Ansonsten bleiben die meisten praktischen Merkmale des normalen Ford Ranger erhalten.

Die Kombination aus Aussehen und Sound hat uns bereits in den Raptor verliebt, und außerdem scheint er auch auf dem Asphalt ein gutes Handling zu haben. Mit dem Ford Ranger Raptor am niederländischen Straßenverkehr teilzunehmen, ist ein bisschen wie das NASCAR-Auto, das bei den 24 Stunden von Le Mans antrat: Man ist völlig deplatziert, aber es macht Spaß!