Test – Fiat Grande Panda Hybrid: Die Kleinen werden groß
Der ursprüngliche Fiat Panda, der 1980 auf den Markt kam, war für erschwingliche Mobilität in den engen Straßen Italiens konzipiert. Das kantige Modell war sehr einfach und clever konzipiert, um die Anschaffungs- und Betriebskosten so niedrig wie möglich zu halten. Was die Menschen damals nicht wussten, war, dass es ein Auto mit beispiellosem Kultstatus werden würde. Allein von der ersten Generation (1980-2003) wurden 4,5 Millionen Einheiten verkauft.
In den folgenden Jahren wurde der Panda immer runder und moderner. Er unterscheidet sich optisch stark vom ursprünglichen Panda, ist aber immer noch kompakt, wirtschaftlich, erschwinglich und relativ praktisch. Die dritte Generation des Panda (2011) knüpfte an den Erfolg der ersten beiden Generationen an und wird in den Niederlanden sogar noch neu unter dem Kosenamen ‚Pandina‘ verkauft.
Zusammengerechnet steht der Zähler bei über 8,5 Millionen verkauften Einheiten weltweit. Das macht den Fiat Panda zu einem der meistverkauften italienischen Autos aller Zeiten. Angesichts seines Erfolges sollte man meinen, dass die vierte Generation des Panda auf der gleichen Linie wie sein Vorgänger liegen würde, aber teilweise aufgrund strenger Vorschriften und veränderter Kundenbedürfnisse schlug Fiat einen anderen Weg ein.

Der Fiat Panda ist jetzt ‚Grande‘
Das neueste Modell ist deutlich gewachsen und trägt den Namen Fiat Grande Panda. Er ist länger, breiter und höher als der Pandina, was ihn auch in das größere B-Segment einordnet. Zwischen anderen Autos geparkt, sieht der Fiat Grande Panda alles andere als klein aus. Er ist kein traditionelles Stadtauto mehr, denn ein solches Auto ist aufgrund der aktuellen Sicherheits- und Umweltvorschriften und der hohen Entwicklungskosten kaum noch rentabel. Außerdem bietet die Marke bereits den Fiat 500 und den Fiat Pandina an, wenn Sie wirklich klein fahren wollen.
Abgesehen von seiner Größe steht der 3,99 Meter lange Grande Panda auch ein wenig höher auf den Rädern, ohne gleich ein SUV sein zu wollen. Daher ist das Einstiegsniveau etwas höher als der Durchschnitt, was perfekt zu dem passt, was viele Käufer heutzutage suchen. Dennoch ist der Fiat Grande Panda kein durchschnittlicher Crossover und das liegt vor allem an seinem Design.
Fiat hat sich für das Design vom archetypischen Panda inspirieren lassen. Die kantigen Formen sind eindeutig eine Anspielung auf die Vergangenheit. An der Front sehen Sie diese Einflüsse kombiniert mit modernen Details. Die gepixelte LED-Beleuchtung verleiht dem Auto einen digitalen Look mit einem Retro-Touch. Wegen seines kantigen Designs nannte jemand den Grande Panda sogar ein ‚Minecraft-Auto‘ – eine Beschreibung, die erstaunlich gut passt.
Rund um das Auto gibt es weitere Hinweise auf die Geschichte von Fiat. Die schrägen fünf Streifen des alten Fiat-Logos kehren an mehreren Stellen wieder, sogar auf einer Linsenplatte an der C-Säule. Ebenfalls auffällig: Der Name Panda ist in die Türverkleidung eingeprägt, ebenso wie ‚FIAT‘ in der Heckklappe. Keine separaten Plaketten, sondern buchstäblich in den Stahl eingebettetes Branding. Clever, unverwechselbar und kostenbewusst. Ein Detail, das wir auch vom Panda 4×4 der ersten Generation kennen.
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Verspieltes Interieur
Innen wird die Retro-Linie fröhlich fortgesetzt. Der Innenraum wirkt frisch und verspielt, mit dem gleichen unverwechselbaren Blauton wie bei den früheren Generationen des Panda. Das gesamte Armaturenbrett ist originell, farbenfroh und funktionell gestaltet. Dabei werden das Kombiinstrument und der Infotainment-Bildschirm von einer auffälligen gelben ovalen Umrandung umrahmt, die von der Teststrecke auf dem Dach des alten Fiat-Werks in Turin inspiriert ist. In die Kurve dieses Ovals ist sogar ein kleiner Ur-Panda eingearbeitet. Es ist ausgeprägt, man muss es lieben, aber es sorgt für ein Interieur, das sich deutlich abhebt.
Oben auf dem Armaturenbrett befindet sich die sogenannte Bambox. Dabei handelt es sich um ein abschließbares Staufach mit Bambusfaserauskleidung an der Außenseite. Fiat verleiht dem Auto damit einen nachhaltigen Akzent, ohne dass es gezwungen wirkt. Darunter befindet sich ein weiteres traditionelles Handschuhfach, das im vorderen Bereich einen hervorragenden Stauraum bietet.
Darüber hinaus ist die Bedienung der verschiedenen Funktionen angenehm konventionell. Dinge wie die Klimaautomatik, die Sitz- und Lenkradheizung werden über physische Tasten bedient – etwas, das in der heutigen Zeit fast erfrischend ist. Der Infotainment-Bildschirm ist gut ablesbar und reaktionsschnell genug. Das kabellose Android Auto und Apple CarPlay funktionieren reibungslos: einsteigen, starten und schon sind Sie verbunden. Genau so, wie Sie es im Jahr 2026 erwarten würden.
Auswahl der Materialien und praktische Details
In unserem Testwagen sehen wir wieder ein gelbes Oval um die Mittelkonsole. Allerdings gibt es hier eine Randnotiz: Ein großer Teil der Mittelkonsole ist mit schwarzem Hochglanzkunststoff verkleidet. Das sieht schick aus, ist aber extrem kratzempfindlich. Unser Testwagen hatte weniger als 1.000 Kilometer auf dem Kilometerzähler und wies in diesem Bereich bereits Gebrauchsspuren auf.
Auf der anderen Seite hat Fiat nicht an der Praktikabilität gespart. Vorne und hinten gibt es USB-Anschlüsse, so dass auch die Passagiere auf den Rücksitzen ihre Geräte aufladen können. Das ist immer noch nicht überall in diesem Segment selbstverständlich. Zwischen den Vordersitzen können Sie zwei Becher und andere kleine Gegenstände verstauen, und vorne gibt es eine kabellose Ladestation für Telefone.
Alles in allem ist der Fiat Grande Panda ein angenehmer Ort zum Sitzen. Die Sitze bieten ausreichend Halt, sehen mit ihren quadratischen Mustern amüsant aus und sind bequem genug für längere Fahrten. Im Fond ist der Grande Panda recht geräumig. Er ist kein vollwertiges Familienauto, aber mit zwei kleinen Kindern – und sogar mit Erwachsenen, die nicht überdurchschnittlich groß sind – ist die Beinfreiheit in Ordnung. Auch das Gepäckraumvolumen ist für dieses Segment anständig. Im täglichen Gebrauch wird es Ihnen nicht an etwas mangeln.
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Feiner Antrieb
Der Fiat Grande Panda Hybrid wird von einem neu entwickelten Hybridsystem angetrieben. Offiziell handelt es sich um einen Mild-Hybrid, aber in der Praxis kann das Auto bemerkenswert oft vollelektrisch fahren. Im Stadtverkehr, bei niedrigen Geschwindigkeiten und bei Fahrmanövern fährt er regelmäßig, ohne dass der Benzinmotor anspringt.
Der 1,2-Liter-Dreizylinder-Benzinmotor springt nur bei Bedarf an und schaltet sich ebenso leicht wieder ab. Wenn Sie das Gaspedal loslassen, schaltet sich der Motor fast sofort ab, selbst bei höheren Geschwindigkeiten. Jedes Mal, wenn Sie das Gaspedal loslassen, schaltet sich das regenerative Bremssystem ein. Ohne Bremsen spüren Sie, dass das Auto nicht frei ausrollt, sondern durch den Widerstand des Generators, der gerade die Batterie auflädt, etwas schneller abbremst. Das ist ein sehr angenehmes Fahrgefühl. Die Abstimmung dieses Systems ist erstklassig. Auffällig ist auch, dass der Elektromotor sogar eine Art zweistufigen Betrieb hat, den Sie manchmal bei niedrigen Geschwindigkeiten hören. Ungewöhnlich, aber technisch klug durchdacht. Man könnte dies getrost als Mild-Hybrid-System 2.0 bezeichnen. In Bezug auf den Betrieb liegt es zwischen einem traditionellen Mild-Hybrid und einem Voll-Hybrid.
Auch in puncto Leistung enttäuscht der Fiat Grande Panda nicht. Der Antrieb ist gut für Leistung und Drehmoment von 81 kW (110 PS) und 205 Nm. Mit vier Personen und einem voll beladenen Kofferraum beschleunigt er auf der Autobahn mühelos auf 120 km/h. Im Stadtverkehr ist das Fahren mit dem Fiat Grande Panda besonders geschmeidig und mühelos. Die Lenkung ist leichtgängig und das Einparken in engen Parklücken ist ein Kinderspiel. Unser Benzinverbrauch liegt bei 5,6 l/100 km. Das ist für die Art des Autos und des Antriebs angemessen.
Fazit und Preise
Der Fiat Grande Panda ist erwachsen geworden. Er ist größer, geräumiger und seriöser als je zuvor, hat sich aber seinen verspielten Charakter bewahrt. Ein großes Plus ist seine unverwechselbare Individualität, mit der er sich durch sein markantes Design innen und außen deutlich von der Masse abhebt. Der Grande Panda zeigt einmal mehr, wie stark die Italiener darin sind, charaktervolle Autos zu entwerfen. Nicht alles ist perfekt und einige Materialentscheidungen werfen Fragen auf. Aber als Gesamtbild ist der Fiat Grande Panda ein sympathisches, eigenwilliges und überraschend komplettes Auto, das in niederländischen Städten und Dörfern voll zur Geltung kommt.
Der Fiat Grande Panda Hybrid ist in den Ausstattungsvarianten Pop, Icon und La Prima zu Einstiegspreisen zwischen 25.000 und 30.000 Euro erhältlich. Für eintausend Euro weniger pro Version ist der Grande Panda auch mit einem 100 PS starken Benzinmotor ohne Hybridunterstützung und als vollelektrischer Fiat Grande Panda Electric erhältlich. Viele Niederländer werden sich für die elektrische Variante entscheiden, aber die Hybridversion bietet die beste Mischung aus unbegrenzter Freiheit ohne Aufladen und günstigen Betriebskosten. Damit ist der Grande Panda Hybrid unserer Meinung nach die beste Wahl, wenn Sie relativ viel fahren und auch schöne, lange Urlaubsfahrten damit unternehmen wollen, ohne dass es zu Problemen kommt.
