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Rückblick Polestar 3 – ein elektrisches Raumschiff

November 9, 2025

Der Minimalismus zeigt sich besonders in der Art und Weise, wie diese Zahlen zum Leben erweckt werden. Glänzendes Chrom oder ein schrilles Äußeres, künstliche Motorgeräusche oder ein übertriebener „Sportmodus“ werden Sie bei diesem Auto nicht finden. Nein, all der Luxus und die Leistung sind unter einer Schicht aus Schneewittchen versteckt.

Eine stilvolle skandinavische Designerjacke

Ein verlassenes Parkhaus mit Lichtbalken erweist sich als passende Kulisse für dieses strahlend weiße Raumschiff mit schwarzen Akzenten und goldenen Bremssätteln. Die Lichtreflexe betonen die ungewöhnlichen Formen dieses Performance-SUVs und zeigen genau, wie er sein soll: modern, geheimnisvoll und ein bisschen weltfremd. Es ist, als würde der Polestar 3 hier für seinen nächsten Flug in Star Wars bereitstehen.

Der Polestar 3 ist kein traditioneller SUV, aber auch kein kalibrierter Crossover. Er balanciert genau dazwischen mit einer niedrigeren Bauweise und schärferen Linien. Trotz seiner gewaltigen Abmessungen – er steht auf der gleichen Plattform wie der Volvo EX90 – sieht er bemerkenswert sportlich aus, mit einer eleganten Dachlinie und einer Karosserie, die optisch tief am Boden liegt.

Von vorne erkennt man sofort, dass dieses Raumschiff aus Schweden kommt. Die typischen Thor’s Hammer-Scheinwerfer prägen die Front des Autos, und hier finden wir ein besonderes Stück Aerodynamik. Eine durchgehende Blende an der Nase – eine Art offener Briefkasten – lenkt den Luftstrom über die Front des Wagens. Am Heck fällt die Karosserie anmutig ab, ein integrierter Heckspoiler optimiert auch hier die Aerodynamik.







Auf die Details kommt es an

Der Testwagen ist in Schneeweiß lackiert. Das ist zwar nicht die Standardfarbe ab Werk, aber sie sieht sehr gut aus. Der Kontrast zu den schwarzen Akzenten an den Radkästen und Türschwellern bildet ein stilvolles Ganzes und wirkt in dieser Farbgebung fast futuristisch. Die 22-Zoll-Felgen aus dem Performance-Paket füllen die Radkästen großzügig aus und verleihen dem Wagen zusätzliche optische Kraft. Dahinter befinden sich goldfarbene Brembo-Bremssättel, ein dezenter Hinweis auf die ernsthafte Leistung, die mit diesem Auto möglich ist.

Wenn Sie genau hinsehen, werden Sie noch mehr stilistisches Design entdecken. Die dünn gerahmten Außenspiegel sind Kunstwerke für sich, und am Heck akzentuiert der durchgehende Lichtbalken die Breite des Fahrzeugs. Die versenkten Türgriffe gleiten automatisch aus, wenn Sie sich nähern, und fahren wieder ein, sobald Sie aussteigen – nicht nur schön anzusehen, sondern auch funktional für den Luftwiderstand. Auch das Öffnen der Tür fühlt sich raffiniert an: kein starkes Ziehen an einem Riegel, sondern ein subtiles, fast mechanisches Klicken“. Sogar der Blinker hat seinen eigenen Klang, sanft und minimalistisch – wie ein Kieselstein, der gegen ein Fenster klopft. Solche Details verraten, dass der Polestar 3 mit Sorgfalt entworfen wurde.







Fliegen über die Straße

Der Polestar 3 Long Range Dual Motor mit Performance Pack ist die stärkste Version, die die Marke derzeit anbietet. Das sehen Sie schon von außen, aber vor allem spüren Sie es, sobald Sie auf das Gaspedal treten. Unter dem Boden liegt eine 111 kWh-Batterie, die für eine offizielle WLTP-Reichweite von 567 Kilometern gut ist. Zusammen liefern die beiden Elektromotoren 380 kW (517 PS) und ein beeindruckendes Drehmoment von 910 Nm. Der Allradantrieb ist bei diesem Dual Motor serienmäßig, aber Polestar hat den Antriebsstrang geschickt angeordnet. Bei ruhiger Fahrt oder langen Autobahnfahrten kann der vordere Elektromotor abgeschaltet werden, so dass das Auto vorübergehend nur mit Hinterradantrieb fährt. Das macht einen spürbaren Unterschied im Energieverbrauch, ohne dass die Stabilität oder die sofortige Gasannahme beeinträchtigt werden.

Wenn Sie das rechte Pedal tief durchdrücken, werden die beiden Motoren aktiviert und der Polestar 3 schießt mit brutaler Agilität in 4,7 Sekunden auf 100 km/h. Das ist ein beachtliches Tempo für einen SUV dieser Größe. Das Drehmoment ist immer sofort verfügbar, so dass Sie mühelos überholen oder an der Ampel immer als Erster aussteigen können. Es scheint immer noch Kraft übrig zu sein; die Beschleunigung ist linear, leise und überzeugend. Der Polestar 3 ist immer für Sie da, ohne nervös zu werden – genau das, was Sie von einem elektrischen Performance-SUV aus Schweden erwarten.

Sportlicher Riese

Beim Fahren des Polestar 3 Performance dreht sich alles um die Balance: brachiale Kraft auf der einen Seite, kultivierte Agilität auf der anderen. Der Antriebsstrang verteilt die Kraft gleichmäßig auf beide Achsen, so dass sich die Beschleunigung nicht nur beeindruckend schnell, sondern auch extrem kontrolliert anfühlt.

Trotz seiner beachtlichen Größe und seines Gewichts ist der Polestar 3 überraschend wendig. Er ist kein Hardcore-Sportwagen, so viel ist klar, aber die Art und Weise, wie er sich in die Kurven legt, verdient einen kleinen Applaus. Die Lenkung ist so direkt und präzise, dass das Auto gut zu handhaben ist, ohne dass es sich für ein Auto dieser Größe unnatürlich anfühlt.

Hier spielt die adaptive Luftfederung eine Hauptrolle. Im Standardmodus filtert die Federung Unebenheiten komfortabel aus und ist etwas weicher. Dadurch merken Sie manchmal, dass die Luftfederung und die Karosserie nicht ganz eins sind. Eine kleine seitliche Bewegung findet zum Beispiel statt, wenn Sie in einer Kurve auf eine Bodenwelle treffen. Wenn Sie die Federung jedoch auf die feste Einstellung stellen, zieht das Auto stärker an einem Strang. Die Karosserie bewegt sich weniger über die Federung und der Polestar 3 bekommt einen viel direkteren, sportlicheren Charakter. Erst dann merken Sie, wie gut dieser SUV seine Masse zu kontrollieren weiß – er taucht scharf in Kurven ein und bleibt bei schnellen Richtungswechseln vorbildlich stabil.

Auch die Fahrerposition ist gut. Die Sitze sind nicht nur angenehm stützend, sondern haben auch verstellbare Wangen, so dass Sie sich etwas tiefer einklemmen können. Das verstärkt das Gefühl der Kontrolle noch mehr. Sie sitzen zwar etwas höher als in einer Sportlimousine, aber Sie sind immer noch genug involviert, um zu genießen, wozu der Polestar 3 in der Lage ist. Er fühlt sich groß an, ja, aber niemals schwerfällig. Eher wie ein athletischer Riese, der es versteht, sein Gewicht zu verteilen.

Zahlen in der Praxis

Mit seinem 111-kWh-Batteriepaket gehört der Polestar 3 Performance zu den elektrischen Schwergewichten. Das bedeutet eine beträchtliche Reichweite, aber auch, dass Sie beim regelmäßigen Aufladen an der Steckdose etwas Geduld mitbringen müssen. Wenn die Batterie fast leer ist und Sie sie abends an die öffentliche 11-kW-Ladestation hängen, bedenken Sie die große Kapazität – es kann einige Zeit dauern, bis sie wieder vollständig aufgeladen ist.

Auf der Straße ist das Tempo zum Glück viel höher. Der Polestar 3 kann bis zu 250 kW schnell aufladen, so dass Sie unter günstigen Bedingungen innerhalb einer halben Stunde etwa 80 Prozent aufladen können. Damit eignet sich das Auto für lange Strecken, vor allem, wenn Sie die Laderouten über die integrierte Google-Navigation planen. Es ist jedoch nicht mit der extremen Leistung des Lotus Eletre vergleichbar, der eine Ladeleistung von 355 kW bietet. In der Praxis stellten wir einen durchschnittlichen Verbrauch von 24 bis 25 kWh pro 100 km fest, was eine realistische Reichweite von etwa 400 Kilometern ergibt. Damit ist er nicht so sparsam wie ein Polestar 4, der in der Praxis mit einem 100 kWh-Akkupaket 500 Kilometer weit kommt.

Nicht nur geräumig, sondern auch praktisch

Der Polestar 3 ist nicht nur leistungsstark und wunderschön gestaltet, sondern auch überraschend durchdacht im täglichen Gebrauch. Nehmen Sie den Kofferraum. Im Fond finden Sie eine clevere Funktion, bei der Sie die Luftfederung auf Knopfdruck absenken oder leicht anheben können. Das erleichtert das Be- und Entladen schwerer Gegenstände – ein typisches Beispiel für den fast schon verschwenderischen Luxus, mit dem dieses Auto ausgestattet ist.

Unter dem Ladeboden befindet sich zusätzlicher Platz, um z.B. das Ladekabel ordentlich zu verstauen, während der Boden selbst klappbar ist. Wenn Sie ihn hochklappen, kommen kleine Haken zum Aufhängen von Einkaufstaschen zum Vorschein – clever durchdacht. Vorne bietet der Wagen außerdem 32 Liter zusätzlichen Stauraum im Kofferraum.







Der Polestar 3 hat auch ernstzunehmende Anhängelasten: bis zu über 2.200 Kilogramm gebremstes Anhängergewicht. Das macht ihn nicht nur zu einem elektrischen Performance-SUV, sondern auch zu einem praktischen Reisebegleiter für Wohnwagen- oder Bootsliebhaber.

Auf dem Rücksitz profitieren Sie von dem langen Radstand – insgesamt 2,99 Meter – der für großzügige Beinfreiheit sorgt. Reichlich Platz in diesem Schiff. Hinter einem großen Fahrer können Sie bequem wie ein Erwachsener sitzen. Dennoch ist nicht alles perfekt: Die sportliche, abfallende Dachlinie schränkt die Kopffreiheit ein wenig ein, insbesondere für große Passagiere von etwa zwei Metern. Außerdem ist der Boden wegen des Batteriepakets relativ hoch, so dass Ihre Knie leicht nach oben zeigen. Eine verstellbare Rückbank wäre hier eine willkommene Ergänzung gewesen.







Stille und Stil

Wenn Sie in den Polestar 3 einsteigen, merken Sie sofort, dass dies kein gewöhnliches Auto ist. Der Innenraum strahlt Ruhe und Schlichtheit aus und hat daher eine typisch skandinavische Ausstrahlung. Der Testwagen war mit dem Pilot-Paket und dem Plus-Paket ausgestattet, was bedeutet, dass Sie in einen Polestar 3 mit halbautonomen Fahrfunktionen und einem Bowers & Wilkins-Soundsystem eintauchen.

Außerdem hatte dieses Auto ein Nappa-Upgrade mit schöner Polsterung auf den Sitzen. Die Sitze sind vorbildlich: fest, aber nicht hart, mit perfektem Halt auf langen Fahrten. Und ja, bei Polestar können Sie Sitzheizung und -belüftung gleichzeitig einschalten. Das mag seltsam erscheinen, aber das ist eine bewusste Entscheidung. Für diejenigen, die im Winter mit einem dicken Mantel fahren, kann es einfach zu heiß werden. Ein wenig Heizung und Kühlung gleichzeitig hält den Körper im Gleichgewicht.

Apropos Details: Die Sicherheitsgurte tragen dezent die Aufschrift Since 1959, eine Anspielung auf das Jahr, in dem Volvo das Patent für den Dreipunkt-Sicherheitsgurt für die gesamte Branche freigab. Selbst die kleinen Laschen der Sicherheitsplaketten, die auf den Fußmatten vor jedem Sitz zu sehen sind, verraten, dass die Volvo-Wurzeln in diesem Polestar noch immer präsent sind.







Die Auswahl der Materialien ist bemerkenswert vielfältig. Polestar traut sich, mit Textilien, Leder und hellen Holztönen zu spielen, ohne dabei unruhig zu wirken. Das Ganze wirkt schnittig und modern, mit einer Anspielung auf den Minimalismus. Damit unterscheidet sich der Polestar 2 bereits deutlich vom Tesla Model 3. Die Lüftungsdüsen sind schön in das Armaturenbrett integriert, obwohl sich die Holzstruktur um sie herum bei Berührung als Hartplastik entpuppt. Das ist nicht ärgerlich, nimmt aber ein wenig die Illusion eines natürlichen Materials.







Technologie ist der Standard

Auf der anderen Seite gibt es das Bowers & Wilkins Audiosystem mit 25 Lautsprechern, von denen einer gut sichtbar auf dem Armaturenbrett sitzt und andere auch in die Kopfstützen integriert sind. Die Klangqualität ist beeindruckend und wie ein Konzertsaal auf Rädern – klar, weiträumig und kraftvoll.

Für den Fahrer befindet sich hinter dem Lenkrad ein kompaktes digitales Display, das alle wichtigen Informationen im typischen Polestar-Design anzeigt: klar, schlank und ohne unnötige optische Unordnung. Das zentrale Infotainment-System läuft auf Google Services, das intuitiv funktioniert. Die Navigation erfolgt mit Google Maps und auch die Sprachsteuerung wird von Google gesteuert. Es kennt also durch seine Verbindung zum Internet Antworten auf Ihre Fragen, aber eine Einstellung im Auto selbst ist manchmal unklar.







Apple CarPlay ist serienmäßig kabellos vorhanden, aber Android Auto funktioniert vorerst nur mit einem Kabel. Die drahtlose Unterstützung wird über ein Software-Update folgen. In der Praxis erwies sich auch die Bluetooth-Verbindung nicht immer als stabil; manchmal musste das System eine Weile nachdenken, bevor es sich verbinden konnte. Das ist ein kleiner Schönheitsfehler in einem ansonsten sehr ausgefeilten Benutzererlebnis.

Das feste Panoramadach verleiht dem Innenraum ein luftiges Gefühl. Es kann nicht geöffnet werden, aber die biothermische Beschichtung verhindert, dass es im Sommer zu heiß wird. In Kombination mit dem leisen Antrieb und der ausgezeichneten Schalldämmung – unterstützt durch die aktive Unterdrückung von Straßengeräuschen – bildet der Polestar 3 eine besonders ruhige Reiseumgebung. Es ist ein Ort, an dem sich Technologie und Ruhe treffen – ohne Lärm, ohne Übermaß – und genau mit der Balance, die Sie erwarten.

Stille mit Rückgrat

Der Polestar 3 Performance ist ein Auto der Kontraste: groß und elegant, leise und kraftvoll, sportlich und komfortabel. Er kombiniert bodenständige schwedische Nüchternheit mit einem Design, das man getrost als Sci-Fi-tauglich bezeichnen könnte. Er ist definitiv eine besondere Erscheinung und ein schrulliger Akteur auf dem Gebiet der elektrischen SUVs und Crossover.

Nicht, dass dieses Raumschiff in allen technischen Bereichen mit der Konkurrenz mithalten könnte, aber es ist besonders gut darin, seinen eigenen Kurs zu fahren. Sobald Sie einsteigen und auf das Gaspedal treten, ist es, als würde der Polestar 3 flüstern: Möge die Macht mit Ihnen sein.

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